Knie & Rücken

Im vergangenen September war es mal wieder soweit. Schlecht aufgewärmt, ein seitlicher Ausfallschritt und da war sie: die Wadenzerrung. Und plötzlich, ganz hinterhältig und gemein, bahnt sich diese Zerrung ihren Weg durch den Bewegungsapparat. Und da es vielleicht anderen genauso erging oder ergehen könnte, hier eine Schilderung einer Beschwerdewanderung.

Was tut man als erstes? Laufen aussetzen, weiterhin Schwimmen gehen und natürlich gut dosiert Radfahren, damit man in Bewegung bleibt. Doch plötzlich melden sich beim Radeln neue kleine Schmerzen im Kniebereich. Seltsam denkt man sich. Genauso seltsam wie die gesammelten Probleme, die mit der Wiederaufnahme des Lauftrainings einhergehen.

Knie, dann Rücken, zwischendurch auch die Schulter beim Schwimmen. Wie kann das passieren? Das Geheimnis liegt in der Selbstbeobachtung. Denn es passiert recht schnell, dass sich koordinative Muster aufgrund einer Verletzung verändern – ohne dass man es merkt.

Das läßt sich u.a. auf dem Rad ganz gut beobachten. In meinem Fall stellte ich auf einmal fest, dass ich, wenn ich beim Radfahren versuchte, mit den Knien das Oberrohr zu streifen, mit dem linken Knie fast nicht an das Rad kam. Erst als ich die Abstände regulierte, registrierte ich, wie ich in den vergangenen Wochen, ausgehend von der Wadenverletzung, meine Sitzposition veränderte. Ich saß schief auf dem Sattel!

Die Regulierung auf eine gerade Beckenposition kam mir wie ein Schiefstand vor. Es war jedoch genau die richtige Maßnahme und erlöste mich auf dem Rad von Kniebeschwerden und Rückenschmerzen. Auch das Laufen funktionierte plötzlich viel besser, nachdem ich beobachtete, wie sich mein Laufstil veränderte. So war mein Bodenkontakt mit der geschwächten Seite deutlich kürzer und weniger kraftvoll. Mit einem bewusst stampfenden Schritt konnte ich auch dieses Dilemma langsam wieder bereinigen.

Fazit? Natürlich ist das nichts Neues und es ist nur logisch, wie sich der Bewegungsapparat umstellt. Vielmehr soll dies ein Hinweis sein, gründlicher auf seine Bewegungen zu schauen, wenn es Probleme gibt. Ein Arzt ist nämlich weder beim Laufen noch Radfahren dabei, sondern nimmt nur den status quo auf. Das Übel liegt jedoch in der Bewegung und nicht in der statischen Überprüfung auf der ärztlichen Matte. Eben selber genau hinsehen und Signale orten. Immer wieder, und nicht nur wenn man verletzt ist.

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2 Kommentare

  1. Deswegen ist es auch sinnvoll, wenn man sich ab und zu mal filmen lässt. Erstaunlich, wie groß die Differenz zwischen gefühlter und tatsächlicher Bewegungsausführung sein kann. LG Susan

  2. Hallo Susan,

    exakt mein Wortlaut. wenn es um Bewegungsanalysen geht. Doch gerade bei Problemen, zieht man ja doch gerne den Arzt zu Rate, der aber überhaupt keinen Einblick in die Bewegung hat.

    Da eröffnet sich doch fast ein neues Arbeitsfeld: „Der Arzt auf dem Rad“ 🙂

    Viele Grüße
    Holger

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