Triathlon-Team: Aus!?

Ein Kommentar:

…bin ehrlich gesagt verdammt froh, dass so sympathische Athleten wie Jan und Timo da raus sind..“ (facebook-Kommentar). In dem Tenor vernahm man einige Stimmen, als die Nachricht draußen war: Timo Bracht verlässt das 21run-Triathlon-Team. Doch wie ist die Stimmungslage der Szene zu erklären?

Es geht um ein Team, dessen Teamleitung im Oktober 2011 in einer Presseerklärung bekannt gab, dass man mit einem namhaften Großsponsor in der Endverhandlung über einen siebenstelligen Betrag sei und die Materialsponsoren Schlange stehen würden. Worte, denen man Taten folgen lassen sollte, um die Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren. Die Taten blieben aus.

Viele Monate später war man noch immer ohne Geldgeber, sondern stemmte den Etat aus eigenen Mitteln. Und es kam noch schlimmer. Im Sommer, wenige Tage nachdem man mit Power Horse einen Sponsor gewinnen konnte, verlässt Jan Raphael das (bereits sinkende?) Schiff. Man könne sich in der Darstellung der persönlichen Athletensponsoren nicht einigen und trenne sich deshalb – sagte man. Seltsam nur, wenn genau dieser Sportler wenige Tage später beim Ironman Germany und auch bei späteren Wettkämpfen keinen eigenen Sponsor präsentiert. Wurde da ein Athlet einfach vor die Tür gesetzt, fragte man sich in Triathlonkreisen? Die hauseigenen PR-Berater waren auch hier nicht annähernd Herr der Lage.

Ironie des Schicksals, dass genau dieser Athlet im August einen Ironman-Sieg einfährt und einige Wochen später einen zweiten Platz. Leider nicht mehr im Team-Trikot. War da etwa jemand so richtig befreit?

Eine Gesamtsituation, die auch dem neuen Teamsponsor aus Österreich nicht gefallen haben dürfte. Nicht gut für das Team. Nicht gut für die Sportler.

Und dann tut sich noch ein generelles Problem auf. Und zwar dann, wenn sich Teamleitung und Sponsor in einer Person vereinen. Wenn also die Teamleitung 21run mit dem Sponsor 21run verhandelt, kann doch eigentlich nur ein Benefit entstehen: der für das Unternehmen.

Mitleid hatte man schon fast mit dem sympathischen Georg Potrebitsch, der mit einem no-name-Rad der Hausmarke in der Gegend herum fährt. Das ist in etwa so, als wenn man in einem selbst ernannten Top-Restaurant billigen Fusel vorgesetzt bekommt. So erzeugt man vielleicht PR, aber keine gute.

Alles in allem eine Konstellation und Abfolge von Ereignissen, die das Ende nun als logisch erscheinen lassen. Dennoch bleibt die Frage offen, ob die Athleten mit falschen Versprechen gelockt wurden oder einfach nur Pech im Spiel war. Vielleicht war es aber auch nur ein naives weltmännisches Vorhaben eines Unternehmers, der die Spielarten des Sports nicht respektiert hat? Und eine Grundregel heißt nun einmal: Fair Play. In Kombination mit dem Motto: Bälle flach halten.

Persönlich wünsche ich mir, dass sich die Sportler freischwimmen und wir demnächst Unternehmen im Sport sehen, die mit einer gesunden Mischung aus Eigennutz (der ist nur verständlich) und „Sportlerdenke“ (denn darum geht es) an die Sache heran gehen. Denn der Sport kommt ohne die Hilfe der Wirtschaft nicht aus. Auf der anderen Seite profitiert die Wirtschaft aber auch, wenn sie ihr Engagement klug einfädelt und intelligent vernetzt.

Am Ende heißt es in der Presseerklärung, „das sportliche Ziel wurde nicht erreicht“. Ein klassischer Fall von Fehleinschätzung und ein fast eindeutiger Beleg für die aufgeführten Erklärungsansätze. Mir fehlt da der Respekt vor der Leistung der Athleten und die Selbstkritik. Doch das ist nur meine ganz subjektive Wahrnehmung und muss nicht mit der Realität übereinstimmen. Sollte ich falsch liegen, bitte ich schon mal um Entschuldigung. Ich glaub´s aber eher nicht …

Ich bin mir bewusst, dass in diesem Kommentar viel Spekulation liegt. Man muss aber – glaube ich – weder Sherlock Holmes heißen noch den Nobelpreis in Psychologie gewonnen haben, um die Dinge zusammen zu fügen. Vielleicht auch deshalb ein wenig bissig, weil ich das Gefühl nicht los werde, dass die genannte Grundregel des Sports nicht eingehalten wurde.

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2 Kommentare

  1. Hi Holger, sehe ich zu 100% genauso wie Du! Danke für die offene und klare Stellungnahme.

    Tobias

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