Lösung: der Trainer-Trainer!

Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) und die Deutsche Triathlon-Union (DTU) stecken in einem vergleichbaren Dilemma. Die Leistungen der Athleten bei Olympia waren für beide Verbände nicht zufriedenstellend. Nun stehen Trainer und Trainingssysteme auf dem Prüfstand. Der DSV hat die Stelle eines Bundestrainers sogar öffentlich ausgeschrieben. Wie man aus internen Kreisen hört, gehen aber keine externen Bewerbungen ein. Das verwundert eigentlich nicht.

Kreative und erfolgreiche Trainer werden sich kaum dem Diktat der Funktionäre und möglichen (irrealen) Medaillen-Hochrechnungen stellen, wohl wissend dass sie selber keine freie Hand in der Gestaltung des Trainings mehr haben werden. Auf einem Sportmedizinischen Symposium am vergangenen Wochenende erläuterte uns ein DTU-Leistungs-diagnostiker die Leistungs-Kennwerte der Sportler und brachte dabei, ohne es bewusst wahrzunehmen, das Problem auf den Tisch.

Nach der Darstellung der Trainingsumfänge und vor allem der darin enthaltenen Intensitätsverteilung fiel der Nebensatz (sinngemäß): „Möglicherweise haben wir hier eine Stellschraube über die diskutiert werden könne.“ Sehr viel Konjunktiv in dieser Aussage. Und genau hier liegt der Schlüssel der „Problemverbände“. Es wird zu viel im Konjunktiv gesprochen. Und doch traut sich dann keiner so richtig aus der Verteidigung, um die eigene Position nicht zu schwächen.

Mein Vorschlag: über den Bundestrainern ist eine übergeordnete Stelle zu installieren. Dieser Trainer-Trainer ist dann genau für die Umsetzung von Veränderungsprozessen zuständig. Er kümmert sich um Neuerungen, ist kreativer Kopf der Verbandstrainer und erfüllt damit vor allem eine wichtige Position: er bringt neue und frische Impulse in die Trainerriege und entlastet damit die im täglichen Training stehenden Trainer und nimmt ihnen gleichzeitig den unangenehmen Teil der Verantwortung, nämlich Veränderungen zu initiieren.

Der Trainer-Trainer wäre der „Creative Director“ der Verbände. Seine Aufgabe bestünde ausschließlich darin, bei anderen Nationen, in anderen Sportarten und im Austausch mit anderen kreativen Köpfen die Essenz für den eigenen Verband herauszuziehen. Ganz gleich ob es um Trainingsinhalte, Talentförderung oder auch um die Motivation der Verbandstrainer geht.

Das würde den deutschen Sport im Wasser, auf dem Rad und zu Fuß beflügeln. Da bin ich mir sicher! Nur eins darf der Trainer-Trainer nicht: im Konjunktiv sprechen!

(Foto: Ingo Kutsche)

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2 Kommentare

  1. Der Schweizer Triathlon Verband setzte seit 2005 mit Iwan Schuwey einen „Trainer-Trainer“ ein – ich denke mit grossem Erfolg. Das Amt eines Bundes- oder Nationaltrainers scheint ein Auslaufmodell zu sein….

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