Konzept der Zukunft?

Mo Farrah, Doppel-Olympiasieger über 5.000 und 10.000 Meter, war der unumstrittene Volksheld in Großbritannien. Ein Einwandererkind, das die Briten in einen kollektiven olympischen Goldrausch versetze. Trainiert hat der Läufer aber nicht auf der Insel, sondern in den USA. Und da hat sich ein Projekt etabliert, das als Modell vielleicht die Zukunft des Hochleistungssports darstellt: das

NIKE OREGON PROJECT.

In diesem Fall ist es also das Unternehmen Nike, das unter der Leitung von Lauflegende Alberto Salazar in Oregon ein Projekt für die „Nike-Sportler“ initiierte. Dort werden die Athleten unabhängig von ihrer Nationalität zusammenführt, um gemeinsam zu trainieren. Das fördert nicht nur die Motivation der Athleten und deren Trainingsqualität, sondern hat noch einige andere Vorteile. So hat Nike in seinem Institut Wissenschaftler zusammengezogen, die ihrerseits ein Interesse an hochwertigen Untersuchungen an einem extrem leistungsstarken Kollektiv haben. Auch das setzt Zeichen!

Auf der anderen Seite wird das berechtigte wirtschaftliche Interesse eines Multi-Milliarden-Dollar-Konzerns befriedigt. Die gesponserten Sportler können noch besser in die Vermarktung integriert und ihrer Aufgabe als Marken-Botschafter noch besser gerecht werden. Natürlich spielt hier die Kommerzialisierung eine noch weiter führende Rolle als bisher. Aber ist das nicht nur fair, wenn sich ein Unternehmen (wenn auch aus eigenem Interesse) für die Sportler engagiert?

Vielleicht müssen wir in Zukunft sogar Abschied nehmen von der dauernden Frage nach staatlicher Unterstützung. Oder diese Gelder sollten noch gezielter dem Nachwuchs zur Verfügung gestellt werden. Dort wären sie gut investiert. Dann könnten Spitzensportler unter dem Förderdach von Unternehmen noch professionellere Bedingungen vorfinden.

Spinnen wir doch einfach mal! Wie wäre es denn, wenn wir in Deutschland Trainingszentren aufbauen würden, die von den hiesigen Weltunternehmen unterstützt werden würden. Gleichzeitig würden diesen Unternehmen die hoffentlich erfolgreichen Sportler als Markenbotschafter zur Verfügung stehen. Sieht man da vielleicht eine win-win-Situation am Horizont erscheinen? Der deutsche Hochleistungssport supported by deutscher Hocheistungs-Wirtschaft? Mehr als einen Gedanken wert.

Eine attraktive Vorstellung für beide Seiten. Zudem würden die verkrusteten Strukturen in den Verbänden aufgebrochen werden. Bundestrainer werden dann nicht deshalb zu Bundestrainern, weil sie die besten verbandsinternen Netzwerke besitzen, sondern weil sie sich der Verantwortung gegenüber den Athleten und den unterstützenden Unternehmen stellen. Das könnte die Tür öffnen für innovative Denker und Lenker. So eben wie bei Alberto Salazar, einem kreativen Vertreter der Trainerszene.

Denn das muss allen Beteiligten klar sein: nur mit Mut und innovativem Denken kommt man heutzutage voran. Die Zeiten haben sich geändert – auch wenn man das in den Verbänden noch nicht wahrhaben möchte.

Und deshalb wiederhole ich gerne einen meiner Lieblingssätze:

„Wenn du dich spektakulär verbessern willst, musst du auch den Mut haben, spektakuläre Maßnahmen zu ergreifen.“

Hoffen wir das Beste für den deutschen Sport!

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4 Kommentare

  1. Hallo Holger,
    nicht die erste Idee in dieser Richtung. Wie du ganz richtig feststellst ist in den USA, wo die Vereins- und Verbandsstrukturen und damit verbundenen Fördertöpfe im Gegensatz zur EU eigentlich nur über den Ausbildungsbetrieb oder privat-wirtschaftliche Initiativen erreichbar sind, der einzig gangbare Weg.

    Die aktuellen Strukturen des organisierten Sports muss man sehr differenziert betrachten, der massive Unterbau hat die Kultur in Deutschland maßgeblich beeinflusst und übernimmt zunehmend Aufgaben, die Schule und Familie nicht mehr leisten. Nimmst du die Überbau (Spitzensport) weg, hat dies auch Auswirkungen in den untersten Strukturen.

    Ich sehe die Chance vielmehr darin, dass sich Verbände und ihre Spitzenorganisationen, wie IOC, BMI, DOSB, sowie die Fachverbände erheblich transparenter aufstellen. Hast du Transparenz geschaffen (vgl. Jens Weinreich in seinen fundierten Artikeln zu z.B. Dänemark) verschwinden die ganzen Reibungsverluste, die den organisierten Sport derzeit auf allen Ebenen plagen.

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