Saisonfehler No. 3

Saisonfehler No. 3: Radikale Technikumstellungen

Optimierung ist ja ein stets präsentes Thema bei uns Triathleten. Da schaut man nach neuen Materialien aber auch nach Möglichkeiten, seine eigenen Fähigkeiten auszuschöpfen.

So überlegte ich mir in den Monaten auf Teneriffa, voller Gier auf die erste Ausfahrt mit dem Zeitfahrrad in Deutschland, meine Sitzposition mal ein wenig zu verbessern. Und siehe da – gleich beim ersten Training in der Heimat konnte ich mich auf meiner 100km-Hausrunde (660HM) mit einem 37er-Schnitt von der Richtigkeit dieser Idee überzeugen. Den miserablen Lauf im Anschluß führte ich dann auf diese gute Leistung zurück.

Und weil es so gut lief, kümmerte ich mich gleich noch um meine Lauftechnik. Meine Idee war es, die muskuläre Haltearbeit zu reduzieren, indem ich extrem gerade laufen wollte. In etwa so, als wenn man viele Bauklötze (Kopf, Wirbelkörper, Becken, usw.) aufeinander stellt. Und die stehen nur dann stabil, wenn sie exakt übereinander stehen. Der Fußaufsatz direkt unter dem Körper würde zudem Energie einsparen, die Schrittfrequenz erhöhen und den Abdruck verbessern. Gute Idee! Das würde allerdings auch die gesamte Position verändern.

Das Ergebnis war phänomenal! Trotz mittelmäßigem Lauftraining im Frühjahr lief ich die 20km im Training in 1.19 h, ohne wirklich voll zu laufen. Das war für meine Verhältnisse schon wirklich gut und exakt der erhoffte Effekt. Die Theorie schien zu funktionieren. Die Überlegungen waren scheinbar richtig. Scheinbar!

Was dann immer wieder in der Saison passierte, war gar ungewöhnlich. Da waren zwei Läufe völlig unter Niveau und ein Lauf überirdisch. Und dann kam es, wie es kommen mußte. Das Becken und der Rücken spielten nicht mehr mit. Alles war verspannt, verkrampft und Schmerzen drückten den Laufumfang von Woche zu Woche. Das war einfach zu viel des Guten. Zwei Wochen Laufpause mußten her.

Beide Ideen, Sitzposition und Technikumstellung, waren vom Prinzip eher schon ziemlich gut durchdacht. Nur von heute auf morgen alles ändern zu wollen, war einfach zu ambitioniert. Und die zum Teil extrem guten Trainingsleistungen leiten einen auch nicht gerade zum Maßhalten an. Schade – aus dem erhofften Leistungssprung wurde dann aber leider ein zwei Monate langer Leidensweg. Für die 70.3 European Championship in Wiesbaden war es zu spät, um ein Reset durchzuführen.

Irgendwie schön blöd: am Ende der Saison stehen Bestzeiten auf fast allen Trainingsstrecken, lange Phasen der Beschwerden und mittelmäßige Wettkampfergebnisse. Klarer Fall von blöd gelaufen. Einem Sportwissenschaftler sollte das nicht passieren? Doch, gerade dem. Sofern er gewillt ist, Entdeckungen machen zu wollen.

Lehre No. 3: Überprüfe deine Technik immer wieder auf Verbesserungen. Nutze dein Potenzial und suche nach neuen Ansätzen. Nimm Änderungen in Teilabschnitten vor und respektiere die Signale deines Körpers.

Wie sagt man? „Jede Tugend wird in ihrer Übertreibung zur Untugend.“ Wie wahr!

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Ein Kommentar

  1. Schöne Sache, dass Du auch solch unangenehme Sachen hier veröffentlichst. Ich bin auch grad dabei, meine Lauftechnik zu verbessern und bin das wohl auch zu radikal angegangen. Deine Schilderungen sind mir da wirklich hilfreich!
    Wünsche Dir eine richtig gute Saison Zwozwoelf!

    ciao, Chris

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