70.3 Agegroup-Europameister

Da war es endlich: das allwetterkind-Wetter! Prasselnder Regen als ich um 5.45 Uhr Richtung Wiesbaden fahre. In der Wechselzone sitzen alle im Zelt und hoffen, dass der Regen nachläßt. Diese Hoffnung wird von Blitz und Donner beantwortet und jäh im Keim erstickt. Also rein in den Neoprenanzug, das Rad ein letztes Mal gecheckt und auf zum Schwimmstart um 8.00 Uhr.

Alle Profis und die Top-Agegrouper gehen in einer Startgruppe in das Wasser. Leider nahm man die Profis doch noch 5m vor die Agegrouper – das machte mir die Sache schwer, den guten Strom der Top-Leute zu erwischen. So schwamm ich brav am Ende einer lang gezogen Schlange und cruiste so vor mich hin. Etwa 100m vor dem Ausstieg sah ich das Führungskanu und den Ballon nur ein paar Meter vor mir, was mich doch sehr überraschte. Mit 23.52 Min war ich dann nur eine halbe Minute hinter Weltmeister Michael Raelert und einem Teil der Weltklasse. Meine Technikumstellung für das Schwimmen im Neopren hat sich ausgezahlt – bei gerade einmal 9 Trainingkilometern pro Woche. Ein guter Auftakt!

So gut, dass ich auf meine Windweste verzichtete und mein Rad in den Regentag schob. Lange Zeit war ich völlig allein. Erst bei Km 12 fuhr Sebastian Kienle in seinem unnachahmlichen Stil an mir vorbei. Immerhin – letztes Jahr hatte er mich schon bei Km 10 eingeholt. Es lief … es mußte so sein. Ein wirklich reales Gefühl bekam aber ich nicht. Bis zum letzten Anstieg nach Ober-Libbach waren gerade einmal 7 Athleten an mir vorbeigefahren. Das gab mir dann doch etwas Auftrieb nachdem der ständige Regen und der kühle Wind der Muskulatur doch mehr und mehr zu schaffen machte. Nach einem 2.39er-Radsplit  erreichte ich dann endlich die Wiesbadener City.

Im Wechselzelt standen ungefähr 20 Helfer um mich herum, die mir dabei zu sahen, wie ich mit klammen Händen versuchte die Kompressionsstrümpfe anzuziehen. Auf meine Frage ob ich der langsamste Wechsler bis dato sei, erntete ich nur ein vielsagendes Lächeln. Dann ging es endlich raus. Der letzte Abschnitt!

Das wirklich fiese an der Laufstrecke in Wiesbaden ist, dass sie auf der ersten Hälfte immer leicht ansteigend ist. So leicht, dass man es nicht wahrnimmt – nur die Uhr gibt Aufschluß. 4.16 – 4.18 – 4.22 für die ersten 3 Kilometer waren nicht das, was ich mir erhofft hatte. Dann plötzlich 3.57 – 4.04 – 4.04 – auch wenn ich ja nicht zum ersten Mal hier startete, wurde mir der Höhenunterschied jetzt erst wieder bewußt. Also Ruhe bewahren. Als ich dann an eine Verpflegungsstation kam, bekam ich fast einen Lachkrampf. „Eis, Eis!“, so rief mir der Helfer der ersten Station entgegen. Ich mußte mich wirklich zusammenreissen.

Immer wieder hörte ich Anfeuerungsrufe! Erstaunlich (und vielen Dank), wer alles den Weg an die Strecke gefunden hatte. Unverbesserliche Sport-Fans! Auf der letzten Runde mußte ich dann noch mal etwas seltsam dreingeblickt haben. „Beeil dich, Lothar Leder kommt!“ Ja, klar – der hat auch eine Runde Vorsprung. Dem war aber nicht so. Am Ende ging Lothar in der letzten Runde an mir vorbei. Ich habe Lothar auf Teneriffa als echten Triathlon-Enthusiasten kennen gelernt. Sogar bei solch einem Mistwetter ist das Finishen für ihn Ehrensache. Echter Sportsgeist!

Das Finishen nach 4.38.47 Stunden war für mich eher eine Erlösung. Nach solch einem Tag freut man sich, dann einfach nur darauf, warm zu duschen. Als ich jedoch von der netten Dame der Doping-Kontrolle abgeführt wurde, war es auch damit erst einmal vorbei. Nach 5 Flaschen Apfelschorle hatte ich diesen Part in den Katakomben des Kurhauses aber ziemlich souverän gelöst.

Bei der abschließenden Siegerehehrung „tauschte“ ich den Europameister-M-Dot-Pokal und den Startplatz für die Weltmeisterschaft in Clearwater – Florida im November gegen 250 Euro in bar ein. So geht es also am 13. November in den USA um die Wurst!

(Foto: Karsten Täschner und Nis Sienknecht – vielen Dank!))

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7 Kommentare

  1. Europameister Holger Lüning, wie sich das anhört, meine Glückwünsche, tolle Leistung bei dieser Witterung.

    Ich lese da Technikumstellung im Wasser? Da müssen wir uns noch einmal genauer unterhalten! 😉

    Sport frei
    Ralph

  2. Herzlichen Glückwunsch auch von uns!Haben vor dem Laptop mitgefiebert 🙂

    Viele liebe Grüße auch an deine zwei größten Fans!

    Roland und Diana

  3. Hallo Holger,

    herzlichen Glückwunsch zu dieser Leistung ! Bärenstark kann ich nur sagen. Ich drück schon mal die Daumen für Clearwater 😉

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